Bäume sind eine Zierde für ihre Umgebung und sorgen für ein gutes Klima in der Stadt. Sie können aber auch zum Streitpunkt werden, wenn sie für Beeinträchtigungen sorgen oder Schäden verursachen. Der Bundesgerichtshof (BGH) entschied jetzt, dass Eigentümer von Grundstücken mit Bäumen nur unter besonderen Umständen für Schäden haften, die durch Wurzeleinwuchs in Abwasserkanäle entstehen. Im Streitfall war der Schaden nach starken Regenfällen durch die Überschwemmung eines Kellers entstanden. Die Regenwasserkanalisation konnte die Wassermassen nicht mehr genügend ableiten, weil die Wurzeln einer Kastanie in den Kanal eingewachsen waren. Sowohl die Kastanie als auch die Kanalisation stehen im Eigentum der Gemeinde. Der Schaden an dem betroffenen Haus belief sich auf rund 30.000 Euro. Der Hauseigentümer verlangte wegen eigenen Mitverschuldens nicht die volle Summe als Schadensersatz, weil sein Haus über keine eigene Rückstausicherung verfügte. Der BGH wies darauf hin, dass Grundstückseigentümer im Rahmen der Verkehrssicherung für Bäume grundsätzlich Kontroll- und Überprüfungspflichten haben. Auf welche Weise die Kontrolle durchzuführen ist, hängt vom Einzelfall ab und ganz besonders davon, ob die Kontrolle überhaupt möglich ist. In diesem speziellen Fall hätte die Gemeinde als Baumbesitzerin und zugleich als Betreiberin des Kanals die Pflicht gehabt, den Kanal auf Schäden durch Wurzeln zu untersuchen und Vorkehrungen dagegen zu treffen. Die Gemeinde muss zahlen. Bei einem privaten Baumbesitzer würde das Urteil vermutlich anders lauten, weil er keine Kontrollmöglichkeiten hat (siehe auch: OLG Düsseldorf, 22.06.2007, Az. I-22 U 6/07). In welchem Umfang ein Hausbesitzer wegen eigenen Verschuldens selbst für Schäden aufkommen muss, hängt davon ab, inwieweit ein Schaden vorwiegend von dem einen oder dem anderen Beteiligten verursacht worden ist.