Die Entscheidungen der Europäische Zentralbank (EZB) sind zum Seismographen für die Finanzbranche geworden. Bislang gab es keine Signale für eine baldige Erhöhung des Leitzinses. Offenbar liegt die Inflation immer noch nicht im avisierten Zielbereich. Das einzige Zeichen für eine straffere Geldpolitik wollen Beobachter an der Sprachregelung erkennen können: Die EZB verzichtete auf die Formulierung, dass sie ihre Anleihekäufe ausweiten könnte. Das ängstliche Beäugen kleinster Äußerungen bringt zwar keine neuen Fakten, bezeugt aber die Unsicherheit aller Akteure.

Die Entwicklung der Inflation vermindert derzeit den Druck, den Leitzins anzuheben. In Deutschland sank die Teuerung im Februar auf 1,4 Prozent, im gesamten Euroraum lag sie Anfang des Jahres bei nur 1,3 Prozent – und ist damit noch weit entfernt von der proklamierten Zielmarke von zwei Prozent.

Zur Verunsicherung tragen derzeit mehrere Faktoren bei, unter anderem die Spekulationen über die Nachfolge des EZB-Vizechefs Mario Draghi sowie die politischen Turbulenzen in Europa und der Welt. Zumindest aus Deutschland kommen nach der längsten Periode einer Regierungsbildung mit der neuen großen Koalition stabile Signale. Die populistischen Parteien gewinnen aber an Boden. Auch über den Atlantik schwappen bedrohlich wirkende Wellen in Form von amerikanischen Strafzöllen, die sich auf die Finanzmärkte auswirken werden. Trump geht einen weiteren Schritt in Richtung Abschottung Amerikas. Die Börse reagiert sensibel: Der Deutsche Aktienindex sank auf den niedrigsten Stand seit August 2017.

Doch ungeachtet aller dieser Einflüsse tut sich etwas. Die Baufinanzierungszinsen haben leicht angezogen. Vor acht Jahre lag der Bestzins bei 3,63 Prozent, derzeit liegt er bei rund 1,40 Prozent. Der historische Tiefpunkt lag vermutlich im Herbst 2016. Dennoch sind die Rahmenbedingungen für Immobilieninteressenten weiterhin günstig.