Die Neuvertragsmieten klettern in angespannten Wohnungsmärkten munter weiter. Ob die Mietpreisbremse tatsächlich gescheitert ist, wagt derzeit niemand verbindlich zu behaupten.

Das wäre auch schwer zu begründen, denn ein Bremseffekt sagt nach Ansicht des Forschungsinstituts empirica nur wenig über die Wirkung der Reform oder das Ausmaß möglicher Verstöße aus.

„Die Mietpreisbremse greift nur in bestimmten Regionen mit besonders starken Mietanstiegen und erreicht damit nur kleine Teile der Bevölkerung. Das heißt jedoch nicht, dass die Mietpreisbremse grundsätzlich eine Fehlkonstruktion ist – dort wo sie wirken kann, tut sie es auch.“ Das erklärt der Immobilienökonom des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) Claus Michelsen.

Spitzfindige Diskussionen helfen den Betroffenen indes nicht weiter. In München beispielsweise ist die Wohnungsknappheit so akut, dass kleine Maßnahmen zur Lösung des Problems nicht ausreichen, erläutert Sophie Wolfrum, Professorin für Städtebau und Regionalplanung. „Es ist nicht möglich, weit in die Zukunft zu planen, sondern es ist sinnvoll, sich am Bedarf zu orientieren. Bloß ist in den vergangenen Jahren zu langsam reagiert worden. (...) Ich meine schon, dass man hier in München bauen, bauen, bauen muss. Allerdings schafft das viele Konflikte, die die verantwortlichen Planer der Stadt München zu bewältigen haben. Dennoch muss man wieder dichter bauen“, sagt sie.

Eine Auswertung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) bestätigt: In mehr als 50 kreisfreien Städten und Landkreisen zogen die Angebotsmieten um mehr als sechs Prozent an. München bleibt für Wohnungssuchende mit Angebotsmieten von durchschnittlich 16,65 Euro pro Quadratmeter die mit Abstand teuerste Großstadt Deutschlands. Es folgen Frankfurt am Main (13,09 Euro), Stuttgart (12,62 Euro), Freiburg im Breisgau (11,74 Euro), Ingolstadt (11,28 Euro) und Hamburg (11,14 Euro). „Ich glaube, das wird jetzt noch weiter den Berg raufgehen, bis es wieder runtergeht“, vermutet Sophie Wolfrum.