Die seit langem gleichlautenden Meldungen zu den niedrigen Zinsen bedeuten nicht, dass nichts geschieht. Auch das immer Gleiche hat eine Wirkung. Diese zeigt sich in einer beispiellosen Preisentwicklung von Immobilien und in der veränderten Einstellung zum Geld.

Das vergangene Jahrzehnt hat Spuren hinterlassen. Sparer wissen jetzt, dass es auf sie nicht ankommt, stattdessen erscheinen Schulden als Vorteil. Wie das zusammenpassen soll mit einem umweltverträglichen Umgang von Ressourcen und Energie bleibt undeutlich.
Tatsächlich kann diese Politik nicht ewig funktionieren: Die EZB hat im Falle einer Rezession kaum noch Handlungsspielraum. Der Leitzins liegt seit vier Jahren bei null Prozent, der „Strafzins“ für Banken seit mehreren Monaten bei minus 0,5 Prozent. Die Zentralbank hält Staatsanleihen und weitere Wertpapiere im Volumen von fast drei Billionen Euro. Die neue Präsidentin der EZB, Christine Lagarde, sieht die negativen Langzeitfolgen und erhöht den Druck auf die Politik. Die Regierungen sollen endlich mit konsequenten Reformen in die Zukunftsfähigkeit beginnen.
Die geopolitischen Einflüssen werden keine wesentlichen Änderungen bewirken, sind sich Analysten sicher. Bereits seit Ende Januar sinken sowohl die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe als auch die Bauzinsen. Der Bestzins für ein Darlehen mit zehn Jahren Zinsbindung liegt Ende Februar bei 0,51 Prozent und ist damit dem absoluten Tiefstand (0,42 Prozent) nahe gekommen. Michael Neumann, Vorstandsvorsitzender der Dr. Klein Privatkunden AG geht nicht davon aus, dass sich die Bauzinsen in den kommenden Monaten viel bewegen werden.
Was bedeutet das für Immobilieninteressenten? Immobilien sind weiterhin gefragt und teurer. Ob sich jetzt noch Investitionen im Hochpreissegment lohnen, ist indes nicht eindeutig zu sagen. Private Käufer sollten ihre persönliche Belastungsgrenze kennen und einhalten.