Die deutschen Städte werden täglich von Massen von Fahrzeugen überrollt. Wie das hohe Verkehrsaufkommen bewältigt wird, hängt maßgeblich vom Ausbau der Verkehrsinfrastruktur ab. Obwohl viele Städte kurz vor dem Verkehrsinfarkt stehen und händeringend nach Lösungen suchen, um Staus zu vermeiden und die Umweltbilanz zu verbessern, ist die Zahl der Unfälle mit Toten nach Auskunft des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur, BMVI ,auf dem niedrigsten Stand seit Beginn der Verkehrszählung 1950. Diese positive Meldung kann nicht darüber hinweg täuschen, dass sich etwas ändern muss – dafür braucht es nicht erst Verkehrstote.
Das Ministerium plant für den Zeitraum 2021 bis 2030 ein Verkehrssicherheitsprogramm, das relevante Akteure einbindet, um Unfälle zu vermeiden. Insbesondere schwächere Verkehrsteilnehmer wie Fahrradfahrer, Fußgänger und vor allem Kinder sollen sicher unterwegs sein können.
Das BMVI sieht drei Handlungsfelder, auf denen es aktiv werden will. Das erste bezieht sich durch Aufklärungs- und Informationsprogramme direkt auf den Menschen. Die Straßenverkehrsordnung soll so geändert werden, dass die Gefahren kleiner werden, zum Beispiel durch ein Handy-und jetzt auch das Tablet-Verbot am Steuer sowie durch bessere Informationen zum Beispiel zur Bildung von Rettungsgassen.
Das zweite Handlungsfeld umfasst die Infrastruktur, das dritte die Fahrzeugtechnik. Allem Anschein nach sind Investitionen in neue Techniken für den Gesetzgeber wesentlich reizvoller als Investitionen in die Infrastruktur der Städte. So sollen das automatisierte und vernetzte Fahren und ein neuer Abbiegeassistent schnellstmöglich auf die Straße gebracht werden, wohl weil damit auch wirtschaftliche Anreize verbunden sind.
Die Lebensqualität der Menschen in den Städten würde sich jedoch wesentlich nachhaltiger durch Investitionen in die Infrastruktur und ein deutliches Zurückfahren des Individualverkehrs zugunsten des öffentlichen Nahverkehrs verbessern.