Die Corona-Pandemie ermöglicht neue Erfahrungen und stößt Veränderungsprozesse an. Seit Beginn der Krise arbeiten viele Menschen von zu Hause aus, ohne dass die Gesellschaft diesen Wandel planen konnte. Zuvor schienen flexible Arbeitsmodelle in vielen Branchen und Unternehmen undenkbar – nun rücken sie verstärkt in den Fokus.

Das Wuppertal Institut fordert in dem Diskussionspapier „Arbeit ist das halbe Leben!?“ Arbeitsmodelle, die den Faktor Zeit als wertvolle Ressource besser würdigen. Rund ein Drittel des Tages investieren die Deutschen in ihren Job – hinzu kommt noch der Weg zur Arbeit. Nach einer Erhebung des Statistischen Bundesamts dauert der Arbeitsweg für fast die Hälfte der Pendlerinnen und Pendler zwischen zehn und 30 Minuten, gut ein Fünftel braucht 30 bis 60 Minuten. Über die Hälfte der Befragten wäre sogar bereit, einen einstündigen Arbeitsweg in Kauf zu nehmen. Bei rund 220 Arbeitstagen pro Jahr ergäbe das für den Hin- und Rückweg insgesamt knapp 55 Arbeitstage im Jahr.
Die Zeit, die für das Pendeln investiert wird, fehlt oftmals in anderen Lebensbereichen. Das führt zu veränderten Konsumgewohnheiten, hat das Wuppertal Institut herausgefunden. Denn Menschen, die täglich zur Arbeit fahren, verbrauchen mehr Ressourcen gegenüber denjenigen, die von zu Hause arbeiten.
Die Digitalisierung hat in der Krise neue Arbeits- und damit Lebensmodelle eröffnet, die die Wahrnehmung von Zeit verändern. Die Wissenschaftler gehen der Frage nach, wofür die Menschen ihre Zeit verwenden. Insbesondere Aktivitäten, die den sozialen Zusammenhalt fördern, wie beispielsweise für die Nachbarschaft einzukaufen, sind dabei häufig ressourcenschonender als nur für den eigenen Bedarf zum Supermarkt zu fahren. Neue gesellschaftliche Modelle und zeitschonendere Arbeitszeitmodelle können dazu beitragen, aus der Krise zu lernen und gleichzeitig das Klima zu schützen.