Überall wird gebaut. Das Geld dafür ist in der Niedrigzinsphase reichlich vorhanden. Möglicherweise können spätere Generationen die aktuellen Trends noch in hundert Jahren an der Bauweise ablesen, wie heute bei den Jugendstilhäusern.

Das viele Geld wird aber nicht überall für Klasse ausgegeben, sondern immer häufiger für Masse. Gleichzeitig entstehen einerseits hochwertige Gebäude der architektonischen Sonderklasse und an anderen Orten Bauten, die kritisch als „Schuhkartons in Klötzchenbauweise“ betitelt werden.

Dabei gibt es unzählige Beispiele dafür, wie ganze Wohnquartiere architektonisch aufgewertet werden und der Baukultur neuen Glanz verschaffen können. Immer häufiger werden inzwischen aber auch schnelle Zwischenlösungen gesucht, die sich im Nachhinein allzu oft als dauerhaft erweisen. Ein Beispiel dafür sind neue Container- oder Modulbauten, die für Kliniken, Schulen oder Wohnheime verwendet werden. Sie minimieren die Kosten und vor allem die Bauzeit.

Mobile Immobilien erweisen sich als „Rundumlösung für die Herausforderungen auf dem Immobilienmarkt“, argumentiert Algeco, Spezialist für modulares Bauen. Im westfälischen Herford muss dieses Konzept gerade als Lückenbüßer für ein ins Stocken geratenes Großprojekt herhalten und bietet sich als zeit- und kostenbewusste Komplettlösung an.

Auf dem Gelände der Herforder Wentworth-Kaserne, einem großen Konversionsgelände der Stadt, entsteht eine temporäre studentische Wohnanlage für die Fachhochschule für Finanzen des Landes Nord-rhein-Westfalen. Nach Verzögerungen wurde klar, dass der Zeitplan bis zum Semesterbeginn nicht einzuhalten war. Eine schnelle Interimslösung soll das Projekt jetzt retten. In der Rekordzeit von neun Wochen Bauzeit entstehen aus insgesamt 574 Modulen sechs dreistöckige Wohngebäude. Sie umschließen eine Fläche von 1.550 Quadratmetern pro Gebäude, insgesamt 9.300 Quadratmeter – fast so groß wie eineinhalb Fußballfelder. Bleibt zu hoffen, dass aus der schnellen Zwischenlösung kein Dauerzustand wird.