Der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, hat am Ende seiner Amtszeit noch einmal alle Register gezogen. Er wird als erster Präsident der EZB derjenige sein, der in seiner Amtsperiode keine einzige Zinserhöhung vorgenommen hat. Die EZB hat den Einlagezins auf ein Rekordtief gesenkt und nimmt die Anleihekäufe wieder auf. Das ist gut für Käufer, die ihre Immobilien günstig finanzieren wollen, wirft aber die Frage auf, wie sich das langfristig auswirkt.

Die Niedrigzinspolitik begleitet die Bundesbürger jetzt seit 2012. Die Folgen sind allgemein bekannt und erreichen derzeit neue Spitzenwerte: Die Kredithöhe bei Immobilienfinanzierungen ist historisch hoch, die monatlich zu zahlenden Raten sind so niedrig wie nie. Das lässt die Immobilienpreise weiter steigen. Im Juli wurden Darlehensverträge über durchschnittlich 263.000 Euro abgeschlossen, das waren rund 4,4 Prozent oder 11.000 Euro mehr als im Monat zuvor.

Wie lange die Niedrigzinspolitik noch anhalten wird, wagt niemand vorherzusagen – der Finanzwelt fehlen Erfahrungen.

Der Blick nach Japan offenbart Erhellendes: Dort platzten vor knapp 30 Jahren die Blasen am japanischen Aktien- und Immobilienmarkt, anschließend setzte eine bis dahin beispiellose Niedrigzinspolitik ein, die bis heute anhält. Immobilienpreise fielen um bis zu 60 Prozent, sie haben ihr altes Niveau bis heute nicht wieder erreicht. In Japan ist das größte geldpolitische Experiment aller Zeiten zu beobachten. Seit Anfang 2016 gibt es in Japan Strafzinsen. Die Bank von Japan will mit Wertpapierkäufen die Konjunktur ankurbeln und die Inflationsrate auf zwei Prozent treiben – genau wie die EZB in Europa. Auf die erhofften Resultate dieser Politik wartet Japan schon lange.

In absehbarer Zukunft wird auch im Euro-Raum nicht mit Zinserhöhungen gerechnet. Anleger werden weiter nach gewinnbringenden Anlagen suchen, vorzugsweise am Immobilienmarkt.