Zog es die Menschen in den vergangenen Jahrzehnten vermehrt in die Großtädte, kehren nun viele den Metropolen wegen der hohen Wohnkosten den Rücken. Was hat die Großstadt zu bieten – außer Arbeit? Welchen Stellenwert hat die Kultur? Eine Stadt-Land-Studie gibt Aufschluss.

Wer in einer Großstadt wohnt, nutzt kulturelle Angebote stärker als die Bevölkerung im ländlichen Raum. Das gilt für fast alle Sparten, besonders aber für klassische Konzerte und Kunstausstellungen. Großstädter gehen mehr als doppelt so häufig in diese Veranstaltungen wie die Bewohnerinnen und Bewohner ländlicher Gebiete.

„Der Wohnort spielt eine wesentliche Rolle dafür, ob und wie häufig kulturelle Angebote genutzt werden“, erklärt Prof. Dr. Gunnar Otte, Leiter der Studie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU).

Die Versorgung von ländlichen Gebieten gerät immer mehr in den Fokus der gesellschaftlichen Diskussion.

In der Gesundheitsversorgung aber auch in anderen Bereichen wie der Kultur wird eine Tendenz zu ungleichen Lebensverhältnissen festgestellt.

Die Studie hat die Versorgung der Gemeinden mit Kultureinrichtungen wie Opernhäusern und Kinos anhand offizieller Statistiken ermittelt und sich dabei auf sechs Kulturformen fokussiert: Klassikkonzerte und Oper, Konzerte von Pop-, Rock- und elektronischer Musik, Schlager- und Volksmusikkonzerte, Theater, Kino und Kunstausstellungen.

Die Ergebnisse: Das Kulturangebot nimmt mit der Gemeindegröße zu und zwar um das 15- bis 20-fache. Ebenso steigt mit der Größe des Wohnorts die Nutzungshäufigkeit der kulturellen Angebote. Am häufigsten gehen die Menschen ins Kino, die großstädtische Bevölkerung 4,2 Mal im Jahr, die ländliche Bevölkerung 2,7 Mal im Jahr. Dass Großstädter das kulturelle Angebot vor Ort häufiger nutzen, liegt nicht am Wohnort allein. Vor allem Bildung aber auch Einkommen und Alter beeinflussen die Kulturnutzung. Auch wenn die Zusammensetzung der Bevölkerung in den Städten und auf dem Land identisch wäre, würde die Landbevölkerung Kulturangebote seltener wahrnehmen. Der Grund dafür wird in der schlechteren Erreichbarkeit und dem geringeren Angebot vermutet.