Stadtflucht oder Landflucht? Zu allen Zeit wechselten die Vorlieben und lösten Trends aus. Auf Jahrzehnte mit dem Schwerpunkt auf Stadtkultur und urbanem Leben folgten Bewegungen, die das Leben auf dem Land propagierten. Derzeit verlagern vor allem junge Leute zwischen 18 und 29 Jahren ihren Wohnort überwiegend in die Städte. Ältere Personen wechseln dagegen deutlich seltener die Region. Sie zieht es tendenziell in ländliche Räume.
Laut Analyse des RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung und der Ruhr Universität Bochum verschärft die Binnenmigration die demografischen Unterschiede zwischen Stadt und Land. Das gilt insbesondere für viele Landkreise in Ostdeutschland. Knapp 43 Prozent der einheimischen Binnenmigranten waren im Untersuchungszeitraum von 2008 bis 2014 zwischen 18 und 29 Jahren alt, obwohl diese Altersgruppe nur 14 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmacht. Davon stammen 25 Prozent aus ländlichen Gebieten und 75 Prozent aus Städten. Nur 19 Prozent von ihnen ziehen in einen Landkreis um, während sich 81 Prozent für eine Stadt entscheiden.
Ältere Altersgruppen ziehen insgesamt seltener um. Sie verlegen ihren Wohnort zwar häufiger als Jüngere in ländliche Kreise, können die Lücke, die die Jüngeren dort hinterlassen, aber nicht ausgleichen.
Verschiedene Faktoren tragen dazu bei, den Wohnort zu wechseln. Bei Personen unter 50 Jahren sind es vor allem die wirtschaftlichen Möglichkeiten, die den Ausschlag geben.
„Die Untersuchung zeigt die große Anziehungskraft der Städte auf junge Menschen. Sie werden unter anderem durch das höhere Lohnniveau gelockt, während die höheren Wohnkosten im Vergleich eine eher untergeordnete Rolle spielen“, sagt RWI-Vizepräsident Thomas K. Bauer. „Ältere Personen ziehen zwar tendenziell wieder raus aus den Städten, allerdings in deutlich geringerer Zahl.“