Das ist erstaunlich: Ausgerechnet aus der Wirtschaft kommt der Hinweis, dass Mieterhöhungen politisch seien, weil mehr als die Hälfte der Deutschen zur Miete wohnen. So geäußert hat sich Rolf Buch, Chef des Immobilienkonzerns Vonovia. Er will das angeschlagene Image seines Unternehmens verbessern und seine Mieter künftig so behandeln, als ob sie jederzeit gehen könnten. Das könnten sie auch wirklich, wenn das Wohnen im Eigentum eine selbstverständliche Sache wäre.
Ungewollt hat Rolf Buch damit einen zusätzlichen Weg gewiesen, der die negativen Folgen der Wohnungsknappheit auf die Mieter mildern könnte. Die zweitniedrigste Wohneigentumsquote in Europa macht deutsche Mieter abhängig vom Vermietungsmarkt. In keinem anderen Land, außer der Schweiz, wohnen so wenige Bürger in ihren eigenen vier Wänden wie in Deutschland.
Bisher galt als beste Lösung zur Entspannung der Lage, mehr Wohnungen zu bauen. Doch Mieter könnten sich aus der Abhängigkeit auch freikaufen, wenn die Bedingungen dafür besser wären. Und dafür ist tatsächlich die Politik zuständig und nicht der Markt.
Die Politik beschäftigt sich aber derzeit schon wieder mit einer Nachbesserung der Mietpreisbremse, obwohl die erst Ende 2018 novelliert wurde. Nach einem neuen Referentenentwurf sollen Vermieter im Falle eines Verstoßes gegen die Regelungen der Mietpreisbremse zu hohe Mietzahlungen nun rückwirkend zurückzahlen müssen – als ob das für Entspannung sorgen würde.
Die aktuelle Difu-Umfrage bezeichnet den Wohnraummangel als die derzeit größte Herausforderung für die Städte und der Accentro-IW Wohnkostenreport 2019 belegt, dass der Kauf einer Wohnung deutlich günstiger ist als die Neuanmietung einer Wohnung. Diese Argumente sollten eigentlich reichen, um zu hohe Kaufhürden politisch zu senken, allen voran zu hohe Kaufnebenkosten und Grunderwerbsteuern.