Man muss nicht für alles selbst eine Lösung finden. Andere europäische Länder machen vor, was auch hierzulande wünschenswert wäre. Dänemark hat ein vorbildliches Schulsystem, Norwegen ein solides Rentenniveau, Großbritannien ein gerechtere Grunderwerbsteuersystem und in Wien sind die Mieten unglaublich günstig. Wie kann das angehen?

Leider sind die Voraussetzungen von Staat zu Staat nicht unbedingt vergleichbar. Die österreichische Hauptstadt hat schon vor Jahrzehnten damit begonnen, den Mietwohnungsmarkt zu dominieren. Eine Hauptsäule der Wohnungspolitik ist die Bauwirtschaft. Ende vergangenen Jahres wurden die Bedingungen nochmals neu justiert: Bauprojekte dürfen künftig nur noch zu einem Drittel der Wohnfläche frei finanziert werden, zwei Drittel bleiben geförderten Wohnungen vorbehalten. Grundstücke werden erst dann zu Bauland, wenn der Eigentümer die Fläche an die Stadt verkauft hat. Die Stadt vergibt die Flächen dann günstig im Erbpachtverfahren an private, genossenschaftliche oder öffentliche Unternehmen. Die Stadt Wien hat seit dem zweiten Weltkrieg kein städtisches Land mehr verkauft, sondern investiert Jahr für Jahr über eine halbe Milliarde Euro in den Wohnungsbau. Das Ergebnis: Die Neuvertragsmieten von öffentlichen und genossenschaftlichen Wohnungen liegen durchschnittlich bei monatlich 7,60 Euro pro Quadratmeter, private Anbieter verlangen unter zehn Euro. Natürlich hat jede Medaille zwei Seiten: Mieter sind zufrieden, aber der österreichische Haus- und Grundbesitzerbund sieht den Neubau behindert und Grundstückseigentümer durch die Maßnahmen eingeschränkt.

Im Vergleich zwischen Wien und Deutschland zeigen sich die Unterschiede: In Wien leben rund 60 Prozent aller Einwohner in städtischen oder öffentlich geförderten Wohnungen, in Deutschland sind es nach Angaben des Mieterbundes nur noch fünf bis sechs Prozent. In Österreich profitieren von diesem System nicht nur auf Einkommensschwache, sondern auch der Mittelstand. In Deutschland ist es zumindest der Stadt Hamburg gelungen, durch städtebauliche Konzepte so extreme Entwicklungen wie in München zu verhindern.