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Die monatelange Stabilität der Bauzinsen ist ins Wanken geraten. Die weltpolitischen Verwerfungen durch den Krieg im Iran hinterlassen ihre Spuren. Das merken nicht nur die Autofahrer an der Zapfsäule, sondern auch die Immobilienfinanzierer.
Bei den Zinsen für Baufinanzierungen herrschte monatelang allenfalls eine konstante „Seitwärtsbewegung“, die Immobilienerwerbern eine sichere Kalkulation ermöglichte. Mit der Eskalation im Nahen Osten hat sich das geändert. Der Zinssatz lag vor Kriegsbeginn noch bei 3,28 Prozent. Aktuell bewegt er sich um 3,5 Prozent.
Noch vor wenigen Wochen vermuteten Insider, dass sich die Bauzinsen aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklung und im Hinblick auf die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank im Laufe des Jahres möglicherweise sogar nach unten bewegen könnten. Ob das so kommen wird, ist nun unsicherer geworden. Der Krieg im Iran hat in Europa unter anderem die Sorge um eine negative Inflationsentwicklung neu entfacht. Die Direktorin der Europäischen Zentralbank (EZB), Isabel Schnabel, nennt die drohende Teuerung den „schwerwiegendsten Nebeneffekt des Konflikts“ und mahnt zu Wachsamkeit. Wie stark die Konjunktur auf den Krieg reagieren könnte, hängt dabei vor allem von dessen Dauer ab sowie davon, wie sehr die Öl- und Gaspreise steigen und wie lange sie auf dem hohen Niveau verharren werden.
Auf den geldpolitischen Kurs der europäischen Notenbank hat der Iran-Krieg aktuell noch keinen Einfluss. Die EZB hat in ihrer letzten Sitzung entschieden, das Zinsniveau unverändert zu lassen. „Das ist in der derzeitigen Situation die richtige Entscheidung. Der Einlagenzins befindet sich auf einem Niveau, das die Wirtschaft weder bremst noch überhitzt“, kommentiert Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin). Die Entwicklung der Bauzinsen ist derzeit schwer zu prognostizieren. Die Kreditwirtschaft rechnet bei einer 10-jährigen Zinsbindung mit Schwankungen von maximal 0,2 bis 0,3 Prozent.
Fazit: Der aufwärts strebende Immobilienmarkt in Deutschland verzeichnet derzeit nur moderat steigende Immobilienpreise, und die Finanzierbarkeit ist immer noch gut berechenbar. Wer ein passendes Immobilienangebot gefunden hat, sollte den Kauf nicht unnötig aufschieben.





